| HEIMATGESCHICHTE |
Insel im Verkehrsstrom
Der Ostseeplatz ist der verkehrsreichste Stadtplatz in Prenzlauer BergIn Prenzlauer Berg spürt man wie in keinem anderen Bezirk Berlins die Macht des Lineals bei seiner Geburt. Geradlinige Radialen (Schönhauser Allee, Prenzlauer Allee, Greifswalder Straße) werden durch großzügige Tangenten (Danziger Straße, Ostsee-/ Wisbyer/ Bornholmer Straße) miteinander verbunden. Stadtbaudirektor James Hobrecht, der bereits 1862 diesen Plan dem preußischen König vorlegte, bewies mit einem solchen System durchaus Weitsicht. Im Norden, an der Grenze zu Pankow und Weißensee, hatte Hobrecht eine "Gürtelstraße" geplant. Doch der nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 einsetzende Berliner Bauboom erreichte erst Anfang des 20. Jahrhunderts diese Gegend. Zu jener Zeit gab es auch längst größere Überarbeitungen des Hobrechtschen Bebauungsplans. In einer Revision der nördlichen Bereiche wurde 1905 auch der konkrete Verlauf der Wisbyer/ Ostsee-/ und Michelangelostraße festgelegt. Wenig durchdacht war allerdings die Idee, ausgewählte Stellen dieses von einer Mittelpromenade durchzogenen Straßenzuges zu Stadtplätzen zu verdicken. Verwirklicht wurde schließlich auch nur einer - der Ostseeplatz.
Im Verkehrsrausch
Das weitgehend unerschlossene Terrain an der Grenze zur Weißenseer Feldmark gehörte nach der Jahrhundertwende der Baugesellschaft Bellevue, die hier die Erschließung mit dem Bau von Wohnhäusern einleitete. Der Entwurf für die Gestaltung des Platzes, in den Planungen "F2 XII" genannt, wurde zusätzlich von der Gesellschaft übernommen. Für 46 500 Mark pflanzte die Bellevue 1911/12 auf dem von Ostseestraße, Mandelstraße und Hosemannstraße eingefaßten Rechteck Bäume, Sträucher und Rasen an. Die Grundanlage ist unverändert geblieben. Herausragend sind die Roßkastanien im Zentrum des Platzes, die ihn ganz besonders prägen.Im Jahre 1913 wurde er Ostseeplatz getauft. Er ist der östlichste Ausläufer des Nordischen Viertels, wo zahlreiche Straßen skandinavische Namen tragen. An die Ostsee grenzen neben Deutschland, Polen, Russland und dem Baltikum auch Schweden, Finnland und Dänemark.
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Wohnungsbau am Ostseeplatz 1954 Foto Prenzlauer Berg MuseumObwohl der Ostseeplatz in einiger Entfernung zur Greifswalder Straße entstand, ist er sehr bald ein Verkehrsknotenpunkt geworden, denn zeitgleich mit der baulichen Erschließung dieser Gegend galt es auch, Berlin mit dem dörflichen Weißensee zu verbinden. Die Greifswalder Straße war damals schon überlastet, denn andere Verkehrswege gab es nicht. Doch während die den Platz östlich begrenzende, 1913 angelegte Mandelstraße eine kleine Wohnstraße blieb, wurde die westliche Begrenzungsstraße, die Hosemannstraße, in den 30er Jahren zu einer wichtigen Verbindungsstraße zur Weißenseer Roelckestraße ausgebaut. Seitdem wächst der Verkehr im Umfeld des Platzes ständig. Nach Senatsplänen soll die Ostseestraße Bestandteil des Mittleren Rings werden, eines Systems aus Autobahnen und Schnellstraßen, das schwerpunktmäßig die wachsenden Verkehrsströme aufnehmen soll. Schon jetzt ist der Ostseeplatz durch das hohe Verkehrsaufkommen auf der gleichnamigen Straße als Erholungs- und Spielstätte schlecht geeignet.
Kriegsschauplatz
Stagniert hat nach den Aktivitäten der Baugesellschaft Bellevue lange Zeit auch der Wohnungsbau. Noch bis Anfang der 50er Jahre war die nördlich an den Platz grenzende Fläche von Kleingärten belegt. Lediglich nordwestlich, in Höhe der Goethestraße, wurde während des 2. Weltkriegs mit dem Bau weiterer Wohnungen begonnen. Doch die Rohbauten fielen zum Kriegsende in Schutt und Asche, denn Ostseestraße/Ostseeplatz markierten im Frühjahr 1945 zeitweilig den Frontverlauf. Während umittelbar auf dem Platz eine deutsche Flakstellung installiert worden war, verschanzten sich in den letzten Apriltagen in den Bauruinen vorwiegend SS-Leute. Seit 1985 erinnert ein Naturgedenkstein inmitten einer kleinen Grünanlage gegenüber der südlichen Seite des Ostseeplatzes an die Kämpfe der Roten Armee.Anfang der 50er Jahre entstanden am Platz die ersten Wohnneubauten Ostberlins im berühmten "Zuckerbäckerstil". Während andere Stadtplätze des Bezirks in die Architektur einer einzigen Bauepoche eingebettet sind, stoßen am Ostseeplatz verschiedene Bauphasen aufeinander. Nur die Bäume, die den Krieg relativ unversehrt überstanden haben, geben Auskunft über das Alter des Platzes, der sich durch seine grüne Optik auszeichnet. Mit der Plastik "Nackte vom Ostseeplatz" der Künstlerin Franziska Lobeck gibt es seit 1990 noch einen zusätzlichen Blickfang.
H. Seefeld
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