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  September 2001

Berlin-Prenzlauer Berg
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Nichts wie weg am Kollwitzplatz

In der Wörther Straße 26 hat schon vor dem eigentlichen Baubeginn der große Exodus eingesetzt Von Hartmut Seefeld

Seit Wochen ist die Wörther Straße ein Engpass auf dem Weg von der Prenzlauer Allee zum Kollwitzplatz. Umzugswagen, Gerüsttransporter oder Bauschuttcontainer geben sich permanent ein Stelldichdein vor der Baustelle Wörther Straße 26.

Noch vor einem halben Jahr wohnten insgesamt 13 Mietparteien im Vorderhaus und Quergebäude, der Seitenflügel war schon mehrere Jahre gesperrt.

Als die Zweite Sanus Altbauten GmbH & Co. KG im Sommer 2000 das Haus erwarb und die Mieter ganz offensiv mit der Ankündigung von massiven Baubeeinträchtigungen und happigen Mieten nach der Umwandlung in Eigentumswohnungen auf Auszug einstimmte, setzte das große Kofferpacken ein.

Waren es im Mai 2001 noch neun Mietparteien, die sich größtenteils noch sehr kämpferisch gaben, sind es jetzt nur noch vier Mieter, die weder dem Stress durch Baudreck und -lärm noch den angedrohten Lasten durch eine hohe Miete oder gar den Verlockungen einer Abfindung nachgegeben haben. In Tonis Snackbar im Erdgeschoss reden die Gäste von bis zu 15.000 DM Abstandszahlungen, die von der Sanus für umgehenden Auszug ohne Wiederkehr auf den Tisch geblättert worden seien. Für manchen Hinterhausbewohner eine Geldmenge, über die er noch nie im Leben verfügte, für die Sanus, die den Verkaufspreis für die Wohnungen bei rund 4.300 DM/m² ansiedelte, eher Peanuts.

Die verbliebenen Bewohner aus dem Vorderhaus haben nun gemeinsam mit der Mieterberatung Prenzlauer Berg Modernisierungsvereinbarungen erarbeitet, die den langfristigen Verbleib und eine günstige Miete auch nach der Sanierung ermöglichen sollen. Kernpunkte sind die Einhaltung der geltenden Mietobergrenzen und eine etwaige Zwischenumsetzung in eine bereits fertiggestellte Wohnung auf dem Grundstück. Hinzu kommen zahlreiche individuelle, von Mietpartei zu Mietpartei modifizierte, Regelungen,»denn verhandelbar«, so Mieterberaterin Kristina Senoner, »ist grundsätzlich alles«.

Die Vereinbarung, die zwischen der Sanus und den jeweiligen Mietern abgeschlossen wird, ist für beide Vertragsseiten bindend und zudem Grundlage für die notwendige sanierungsrechtliche Genehmigung durch die Sanierungsverwaltungsstelle im Bezirksamt.

Besonders umfangreich sind die Werke der Herren M. und B. geraten, deren bereits vor Jahren mit Genehmigung des damaligen Eigentümers modernisierte Wohnungen unmittelbar unter dem Dach liegen und durch den geplanten Dachgeschossausbau in besondere Mitleidenschaft gezogen werden können.

»Wir werden auch während der Baumaßnahmen in unseren Wohnungen verbleiben, das müssen wir durchstehen« zeigt Uli M. sich bereit, den enormen Belastungen zu widerstehen. Balkonanbau und Schornsteinabriss sollen noch in diesem Herbst erfolgen.

Für die Sanus werden die vier Wohnungen ein reines Zuschussgeschäft sein, denn bei einer von ihr gegenüber den Erwerbern garantierten Nettokaltmiete von 12 DM/m² hat sie über Jahre hinweg die Differenz zu tragen, das sind je nach Wohnung bis zu sieben DM/m². Die Verluste müssen durch die Einnahmen aus den übrigen Wohnungen ausgeglichen werden.

Es ist ein offenes Geheimnis im Kiez, dass bei Neuvermietungen trotz geltender Mietobergrenzen in der Regel von den Eigentümern Marktmieten verlangt und natürlich auch erzielt werden.

Doch wo kein Kläger ist, da ist schließlich auch kein Richter.