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  September 2001

Berlin-Prenzlauer Berg
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Eine Kirche wird Museum

Im Kiez am Helmholtzplatz entsteht das größte Kindermuseum Berlins Von Karen Hoffmann

Nun ist es endgültig. Die Eliaskirche in der Senefelderstraße wird das neue Domizil des Kinder & JugendMuseums Prenzlauer Berg. Im Rahmen eines Gottesdienstes war das Kirchengebäude am 14. Januar dieses Jahres feierlich entwidmet worden, zwei Monate später konnte der Erbbaurechtsvertrag unterzeichnet werden.

Für die Elias-Gemeinde war diese Trennung sehr schmerzlich. Zwar verbleiben Grund und Boden im Besitz der Evangelischen Landeskirche, das Nutzungsrecht liegt aber seit Vertragsunterzeichnung für insgesamt 75 Jahre bei den Betreibern des Kindermuseums. Fehlende finanzielle Mittel zur Sanierung und zum Erhalt des Gebäudes ließen der Gemeinde wenig Handlungsspielraum. Doch letztlich bietet das neue Nutzungskonzept den Mitgliedern des Gemeinderats eine überzeugende Alternative.

Für den Betreiber des Museums, die gemeinnützige Kinder & JugendMuseum Prenzlauer Berg GmbH, liegt in dem Schritt kein geringes Wagnis, denn es geht um viel Geld. Der Umbau und die Sanierung kosten etwa drei Millionen DM. Inzwischen sind bereits 1,8 Millionen DM eingeworben, weitere Fördergelder sind beantragt. Am Tag des offenen Denkmals Anfang September stellte das Museum in Anwesenheit seines Schirmherrn Wolfgang Thierse die Umbaupläne der Öffentlichkeit vor. Für das Museum war dies der Start einer Spendenkampagne, mit der ein weiterer Teil des Umbaus finanziert werden soll.

Bereits seit neun Jahren bietet das Museum Mitmach-Ausstellungen für Kinder an. Gegründet wurde es vom Verein Netzwerk Spiel/Kultur. Für den Betrieb des neuen Kindermuseums wurde eine gemeinnützige GmbH gegründet, in der der Verein einer von vier Gesellschaftern ist. Eine Grundförderung erhält das Kindermuseum vom Bezirksamt, der Rest wird über Stiftungsmittel eingeworben.

Pro Jahr werden zwei bis drei Ausstellungen erarbeitet und pädagogisch betreut. Selbsttätigkeit, Experimentieren und Erforschen, Lernen mit allen Sinnen sind Grundprinzipien der Vermittlung. Das Themenspektrum reicht von historischen Fragestellungen wie »Die jüdische Schule in der Rykestraße«(1996) über Neue Medien wie »Das internationale KinderKochbuch im Internet« (1996) bis hin zu ökologisch-naturwissenschaftlichen Inhalten wie »Vom Wasser-Paradies zur Stinke-Panke. Ein Berliner Fluss unter der Lupe« (1998/99).

Mit dem Erfolg der Ausstellungen wuchsen auch die Besucherzahlen. Die Ladenräume in der Schivelbeiner Straße reichten nicht mehr aus. Seit Dezember letzten Jahres hat das Museum Räume in der ehemaligen Struwwelpeter-Schule direkt neben der Eliaskirche bezogen und zeigt die Ausstellungen bis zur Fertigstellung der Kirche in der ehemaligen Kapelle in der Prenzlauer Allee 75.

Die Umbaupläne des Berliner Architekten Klaus Block sehen einen Einbau vor, den man sich als begehbares, 10 Meter hohes und 14 Meter langes Regal vorstellen kann. Die »AG Berlinbewegt« der FU Berlin entwirft unter Leitung von Stephan Riegger ein Bewegungskonzept, das auf eine ungewöhnliche Art und Weise Zugänge zu den Räumen und Inhalten erschließt und eine neuartige Integration auch von Behinderten ermöglicht.

Ein zentral gelegener, an ein Amphitheater erinnernder Raum steht dem Kinderparlament zur Verfügung. Hier sollen regelmäßig Treffen von Kindern und Jugendlichen mit Fachleuten und Politikern stattfinden. Jugendgruppen wird dieser Raum für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt. Gedacht ist an Konzerte, Zauber- und Artistikvorstellungen oder Theateraufführungen. Ein Café lädt zum Entspannen ein, der Museumsshop zum kreativen Einkauf.

Kinder und Jugendliche, die im Kiez wohnen, werden in die Planung und Realisierung einbezogen. Seit Ende 2000 werden parallel zum Bauprozess thematisch passende Ausstellungen angeboten. »BauMit!« lud die Kinder ein, Räume zu entwerfen. In »BauWeiter!« konnten sie restauratorische Techniken ausprobieren. Die dritte Ausstellung wird sich auf die Innenausstattung des neuen Museums konzentrieren. In vorbereitenden Workshops entwerfen Kinder Möbel. Im Frühjahr 2002 werden die Ergebnisse ausgestellt.

Ende 2002 soll dann die Vision eines großen, attraktiven und nachbarschaftsorientierten Kindermuseums in Prenzlauer Berg verwirklicht sein.