Grundstein für das »Schönhauser Eck«
Wohnungsbaugesellschaft WIP realisiert größtes Neubauprojekt ihrer Geschichte Von Hartmut Seefeld
Manch alter Immobilienhase würde die Lage mit »1a« bewerten. Der Pfefferberg nebenan, die Königstadtterrassen gegenüber, die U-Bahn zu Füßen und zum Alex oder Kolle vielleicht fünf bis zehn Minuten per pedes.
Dagegen ist die Bezeichnung, die die Prenzlauer Berger Wohnungsbaugesellschaft WIP für ihr auf absehbare Zeit größtes Neubauvorhaben gewählt hat, alles andere als aufregend –»Wohn- und Geschäftshaus«.
Eigentlich sind es ja vier Gebäude, die die Gesellschaft auf dem 3.087 m² großen Grundstück an der Ecke Schönhauser Allee178-180/Fehrbelliner Straße 3 für insgesamt 24,1 Millionen DM baut und deren Grundstein Ende August gelegt wurde. »Das Eckhaus wird ein reines Bürohaus, die übrigen Gebäude sind Wohnhäuser«, beschreibt der Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft in Prenzlauer Berg (WIP), Klaus-Dieter Friedland, die künftigen Nutzungen in dem Ensemble. Insgesamt 50 Wohnungen –20 mit zwei, 24 mit drei und sechs mit vier Zimmern- werden mit Geldern aus dem 2. Förderweg realisiert.
Scheitern als Glücksfall
»Mitte der 90er Jahre hatte die Promedico GmbH, eine reine Abschreibungsgesellschaft, einen Investitionsvorrangbescheid für die fünf durch Restitution behafteten Grundstücke, dazu eine Baugenehmigung für einen Komplex mit Wohnen und Gewerbe und eine Förderzusage der Investitionsbank Berlin für den Bau von Wohnungen erhalten. Aufgrund der schwierigen Verwertungsbedingungen in Berlin hat sie das Vorhaben jedoch nie verwirklicht«, sagt Friedland. Für ihn war der Rückzug der Promedico ein Glücksfall. »Zwei Grundstücke sind an private Eigentümer aus den USA rückübertragen worden, die übrigen Flächen wurden uns zugesprochen. Mit den Amerikanern konnten wir dann einen fairen Kaufpreis aushandeln«. Hinzu kam, dass die Förderzusage für Promedico auch für das WIP-Projekt aufrechterhalten wurde. »Ohne eine solche Wohnungsbauförderung hätten wir das Projekt nie verwirklichen können«, ist sich Friedland sicher.
Einzug 2002
Bereits im Mai 2002 soll die Eckbebauung mit den Büros bezugsfertig sein. »Wir haben bereits einen zentralen Mieter, ein EDV-Unternehmen aus der Torstraße, das 83% der Fläche übernimmt«, freut sich der WIP-Geschäftsführer, »es ist ja für Geschäftsleute auch tatsächlich eine Topplage«. Ob das auch für die Mieter gilt, muss sich erst noch zeigen. Die Vermarktung hat jedenfalls noch nicht begonnen, und die letzten Wohnungen werden voraussichtlich im Dezember 2002 übergeben. Bei einer Einstiegsmiete von 9,50 DM nettokalt macht sich Friedland allerdings keine Sorgen, dass es hier Leerstand gibt. »Wir sorgen auch für eine gute Infrastruktur. Unter dem Hof entstehen 44 Tiefgaragenstellplätze für PKW, alle Wohnungen bekommen einen Balkon bzw. Wintergarten, und der Hof erhält einen Spielplatz sowie Fahrradstellplätze«.
Der gesamte Komplex entsteht nach den Plänen des Architekturbüros PSP. Er umfasst eine Ladenzone im Erdgeschoss und sechs Wohn- bzw. Büroetagen. Die Traufhöhe in der Fehrbelliner Straße wird eingehalten, in der Schönhauser Allee überragen die Neubauten den Bestand.
Definitiv vom Tisch sind Pläne, eine Art Notausstieg aus den Pfefferbergkellern über das WIP-Grundstück zu führen. »Das haben wir rundweg abgelehnt«, betont Friedland, »es hätte unser Projekt zu sehr beeinträchtigt«.