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  September 2001

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Zur Person

Carl J. Bühring (1871 – 1936)
Architekt, Assistent an der Technischen Hochschule Charlottenburg, Gemeindebaurat in Weißensee, Stadtbaurat in Leipzig.

Der Traum von der Stadt

Aus der Biografie von Carl James Bühring Von Albrecht Molle

Der wirtschaftliche Aufschwung nach der 1871 erfolgten Reichsgründung machte auch um die Gemeinde Weißensee im Nordosten Berlins keinen Bogen. Der Bauboom der Gründerzeit ließ neben dem Dorf am Weißen See schon bald die heute als Komponistenviertel bekannte Siedlung Neu-Weißensee entstehen. 1906, ein Jahr nach der Vereinigung von Dorf und Siedlung, zählte der Ort bereits 37.500 Einwohner. Der Gemeinderat, dem mit Dr. Carl Woelck ein ambitionierter Vertreter des Bürgertums vorstand, sah die Zeit gekommen, die bereits 1899 beantragte, aber wiederholt abgelehnte Erhebung der Landgemeinde in den Status einer Stadt endlich durchzusetzen. Weißensee mit seinen Seen und Teichen sollte nicht länger den »unteren Schichten« vorbehalten sein, sondern zur »besseren Wohngegend« avancieren. Als »Macher« holte Woelck mit Carl James Bühring einen Architekten ins Boot, der sich dazu bekannte, »den Ort so auszugestalten, dass künstlerisch ausgeprägte Städtebilder entstehen«.

Glanzstück Munizipalviertel

Als der am 11. Mai 1871 als Kaufmannssohn in Berlin geborene Carl James Bühring -den zweiten Rufnahmen verdankte er der aus England stammenden Mutter- am 1. April 1906 das mit einem Jahressalär von 6.000 Mark dotierte Amt des Gemeindebaurats antrat, hatte er bereits einige Stationen seiner Karriere hinter sich: Studium in Christiania, dem späteren Oslo, und an der Technischen Hochschule Charlottenburg, Regierungsbaurat in Berlin und Nienburg/Weser und Assistent an der TH Hannover. Aber erst in Weißensee bekam er die Chance, sein Kredo vom Einklang zwischen Bauen und Natur zu verwirklichen, das er dem tristen Mietskasernenbau entgegenstellte. Am trefflichsten gelang ihm das mit dem Munizipalviertel rund um den Kreuzpfuhl an der Pistoriusstraße. Hier entstand zwischen 1907 und 1912 nach seinen an der märkischen Backsteinarchitektur orientierten Entwürfen ein kommunales Zentrum mit einem um einen Park gruppierten Gebäudeensemble, das Weißensees Anspruch auf den Stadtstatus eindrucksvoll unterstrich. So ließ Bühring direkt an der Pistoriusstraße eine -im 2. Weltkrieg leider zerstörte- Stadthalle mit einem Saal für 1.000 Personen errichten, dazu ein Ledigenheim und ein Beamtenwohnhaus.

Am anderen Ufer des Kreuzpfuhls entstand ein später nach Bühring benanntes Gymnasium, dessen rote Ziegelfassade mit dem Grün der Bäume und dem -wenn auch längst nicht mehr blauen- Wasser zu einer dem Auge wohltuenden Melange verschmilzt.

Auch die Aufgabe, Wohngebäude für gehobenere Ansprüche zu errichten, ging er ohne Verzug an. So entstand nach seinen Entwürfen entlang der Woelckpromenade an der Ostseite des kleinen Sees ein Gebäudekomplex, der sowohl durch seine Architektur als auch durch seine Wohnqualität noch immer besticht.

Kommunaler Bodenfonds

Voraussetzung für Bührings ergebnisreiches Wirken, das nicht auf das Munizipalviertel beschränkt blieb, war ein kommunaler Grunderwerbsfonds, der zeitweilig 40 Objekte umfasste. Für fast drei Millionen Mark kaufte die Gemeinde zunächst das Schloss und den Park am Weißen See und machte sie der Öffentlichkeit zugängig. 1912 feierte man die Eröffnung der Badeanstalt, deren Holzbauten Bühring entworfen hatte. Er war auch der Schöpfer der ersten kommunalen Kinderklinik in Preußen, die 1910/11 an der Hansastraße entstand.

Doch so erfolgreich das Duo Woelck/Bühring agierte, so unausweichlich formierte sich im Gemeinderat Widerstand gegen die kommunale Bautätigkeit, die trotz enormer Kosten nicht zur Gewährung des Stadtrechts führte. Ab 1912 stagnierte die städtebauliche Entwicklung Weißensees, der Traum von der Stadt war ausgeträumt. Bührings Entwürfe für ein Hallenbad und eine Feuerwache im Munizipalviertel kamen nun nicht mehr zum Tragen. Er wechselte 1915 als Stadtbaurat nach Leipzig. Nach seiner Abwahl 1924 beteiligte er sich an der Gestaltung des Leipziger Zoos, auf dessen Gelände er bis zu seinem Tod am 2. Januar 1936 in einem eigens für ihn errichteten Baubüro wohnte. Eine späte Ehrung durch das Weißenseer Bezirksamt erfuhr Bühring 1993, als man eine Straße nach ihm benannte. Wer mehr über sein Wirken erfahren möchte, dem sei das Buch »Die Stadt als Wohnung« von Joachim Bennewitz empfohlen, das im Stadthistorischen Museum Weißensee in der Pistoriusstraße 8 erhältlich ist.