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  September 2001

Berlin-Prenzlauer Berg
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Markt in der Bredouille

Hickhack um Stellplätze für Marktstände am Kollwitzplatz Von Hartmut Seefeld

Der Anwohner Wolfgang Thierse ist empört: »Ein unerträglicher Akt von Behördenwillkür ist der Bescheid aus dem Bezirksamt, den samstäglichen Frischemarkt am Kollwitzplatz zu verkleinern.« Thierse, der außer Anwohner auch noch Bundestagspräsident ist, hat sich deshalb am 1. September mit einem ganzen Stapel Unterschriftenlisten auf dem Markt postiert, um gegen die Verfügung zu protestieren.

Den Zorn des prominenten Bittgängers hat ein Schreiben des zuständigen Stadtrats Horst Hartramph an den Betreiber des Wochenmarkts, Andreas Strube, geweckt. Darin setzte Hartramph ein Ultimatum bis Ende September: »Aufgrund eines Bezirksamtsbeschlusses vom 30. Januar 1991 ist die Aufstellung von Handelsständen auf Gehwegen angrenzend an Grünflächen nicht erlaubnisfähig. Die Gehwegnutzung an der Schönen Ecke ist nach der baulichen Gestaltung daher nicht mehr möglich«. Die »Schöne Ecke« des Stadtrats ist eine bislang eher mickrige Freifläche an der Ecke Wörther Straße/Kollwitzstraße und soll bereits seit dem 1. März 2001 zu einem Kleinod mit Brunnen umgestaltet werden. Aktuell ist jetzt von einem Baubeginn Anfang Oktober die Rede.

Für den Markt bedeutet dieses Ansinnen, 20 der 90 Stände zu schließen. »Dass an einer neuen Grünfläche keiner mehr seinen Stand aufstellen darf, kann ich noch verstehen. Warum es bislang aber nicht möglich war, einen Ersatzvorschlag zu machen, will mir nicht in den Kopf«, zeigt sich Strube noch am Tag der Unterschriftenaktion enttäuscht. In einem Schreiben an die Händler schildert er die Konsequenzen: »Lebensmittelstände werden in die Wörther Straße integriert, Nonfoodhändler rücken auf die Warteliste«.

Doch dieses Szenario bleibt nun aus. Stadtrat Hartramph äußerte bereits am Dienstag nach der Protestaktion gegenüber VOR ORT: »Es bleibt alles so, wie es jetzt ist«. Er habe sich mit der für Grünflächen zuständigen Stadträtin Ines Saager darauf verständigt, dass während der Bauarbeiten zur Umgestaltung der Grünfläche wie auch danach der Markt seine bisher genutzten Stellplätze weiter in Anspruch nehmen darf.

Strube, der seit über sieben Monaten seinen Strauß mit der Verwaltung über die Zukunft der Stellplätze gefochten hatte, zeigte sich überrascht von den plötzlich kurzen Wegen politischer Entscheidungen: »Das war eine Lehrstunde«.

Eine weitere, allerdings negativer Art, hatte er schon im Frühjahr erleben müssen. Der Donnerstagsmarkt auf dem Hof der Kulturbrauerei war gescheitert. Nach drei Veranstaltungen brach Strube das Vorhaben rigoros ab. »Ich glaube, da habe ich die Probleme unterschätzt und war zu euphorisch«. Entmutigen lässt er sich trotzdem nicht. »Das Tiefbauamt plant, einen Wochenmarkt in der Lychener Straße unmittelbar am Helmholtzplatz auszuschreiben, da werde ich mich auf jeden Fall bewerben«.