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  September 2001

Berlin-Prenzlauer Berg
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Brückenschläge und Wendeschleifen

Der Nahverkehr in Prenzlauer Berg, Pankow und Weißensee wird neu organisiert Von Hartmut Seefeld

Ab 17. September wird es ernst. Dann fährt, 40 Jahre nach dem Mauerbau und 12 Jahre nach ihrem Fall, die S-Bahn wieder zwischen dem Weddinger Bahnhof Gesundbrunnen und der Station Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg. Die beiden alten »Arbeiterzentren« haben damit wieder einen direkten Draht zueinander, aber nicht nur sie. »Dass zwei große Einkaufszentren nur eine S-Bahnstation voneinander entfernt sind, ist mir sehr recht, da hat man beim Shoppen bessere Vergleichsmöglichkeiten«, freut sich Heike Dix aus Prenzlauer Berg. Tatsächlich rücken durch die S-Bahn mit dem Gesundbrunnencenter und den Schönhauser Allee Arcaden zwei Shopping-Malls so eng zusammen, wie es sonst nirgendwo in der Stadt der Fall ist.

Bitte Umsteigen!

Doch der lang erwartete Lückenschluss zwischen Ost und West, zunächst für 1995 prognostiziert, hat nicht nur angenehme Folgen für den gemeinen Reisenden. Denn zeitgleich mit der Inbetriebnahme des 1,7 Kilometer langen Vollringteilstücks beginnt die Demontage der Verbindungskurve zwischen Schönhauser Allee und Pankow. Damit wird für mindestens zwei Jahre die seit 1952 bestehende direkte S-Bahnverbindung zwischen Berlins Nordosten (Heinersdorf, Blankenburg, Karow, Buch) und dem Südosten (Ostkreuz, Treptow, Schöneweide, Grünau) eingestellt. Pendler müssen in jedem Fall in Gesundbrunnen umsteigen. »Dat tu ick mir nich an, schon jar nich im Winter«, dröhnt Häuslebauer Jörg Wollek aus Zepernick, »da fahr ick lieber Auto«. Ihm gleich werden es täglich viele andere tun.

Der Baubetriebsmanager der S-Bahn Berlin GmbH, Christian Morgenroth, versichert nachdrücklich, dass die Verbindung zwischen Schönhauser Allee und Pankow nicht ersatzlos demontiert wird. »Ab etwa Mitte 2003 werden wieder Züge zwischen Pankow und Schönhauser Allee fahren können, eine neue Verbindungskurve wird gebaut«. Die soll dann aber, wie alle anderen Strecken auch, durch den alten Bahnhof Bornholmer Straße führen. Das leidige Umsteigen über die Böse-Brücke zwischen dem nach der Wende gebauten provisorischen Haltepunkt im »Ostnetz« und dem „Westnetz“ bliebe den Reisenden damit künftig erspart.

Zwei Brückenschläge

Mit der Demontage der S-Bahngleise wird nun auch das letzte Hindernis zur Vollendung der Behmstraßenbrücke beseitigt. Das insgesamt 25 Millionen DM teure Bauwerk über das Nordkreuz hinweg war bereits zu weiten Teilen fertiggestellt, ehe ein Baustopp vor drei Jahren die Anbindung an Prenzlauer Berg verhinderte. Die Planer hatten das östliche Brückenwiderlager genau auf der S-Bahn-Trasse vorgesehen, und nun musste geduldig abgewartet werden, bis die Deutsche Bahn AG die Gleisdemontage auch realisierte. Noch in diesem Herbst sollen die Brückenbauarbeiten wieder aufgenommen und zwölf Monate später die neue Ost-West-Verbindung dem Verkehr übergeben werden, ist aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu vernehmen. Bis dahin ist auch die knapp zehn Millionen DM teure Komplettsanierung des Straßenzuges Schivelbeiner Straße/Behmstraße abgeschlossen, Den Anwohnern, die seit Jahrzehnten faktisch in einer Sackgasse leben und schon nach dem bisherigen Umbau schmerzvoll das geminderte Parkflächenangebot zur Kenntnis nehmen mussten, bringt die Brückeneröffnung neben einem schnellen Weg nach Wedding vor allem zusätzliche Lärm- und Abgasbelastungen.

Fast ohne Anwohnerbetroffenheit wird voraussichtlich noch im November dieses Jahres am anderen Ende von Prenzlauer Berg die Thaerstraßenbrücke über die Bahngleise des Ostrings eröffnet. Die ehemals »Schwarze Brücke« im Zuge der das Schlachthofgelände durchquerenden Thaerstraße war durch Bombenangriffe zerstört worden und danach nur noch als Provisorium für Fußgänger nutzbar. Die insgesamt 7,8 Millionen DM teure neue Anbindung des Stadtentwicklungsgebiets Alter Schlachthof an die Storkower Straße in Lichtenberg gilt als wichtige Voraussetzung für umfassende private Investitionen auf der heutigen Industriebrache.

Tag und Nacht

Doch nicht nur Brückenbauer und Bahnbetreiber zeigen Aktionismus, auch die BVG wartet mit zum Teil einschneidenden Veränderungen auf. Ab 2002 wird beim faktischen Nahverkehrsmonopolisten der Tag- und Nachtverkehr vereinheitlicht. Statt diverser Nachtlinien mit eigener, besonders Touristen verwirrender Streckenführung werden auf den wichtigsten Strecken die Busse und Straßenbahnen mit ihrer normalen Nummerierung im 24-Stunden-Rhythmus verkehren, erklärten Mitarbeiter der Bus und Tramverwaltung der BVG im Verkehrsausschuss der BVV. In unserem Bezirk sind die Linien 1, 4, 5, 6, 8, 20 und 23 als Tag- und Nachttram vorgesehen. Die Linie 50 verkehrt als Straßenbahn nachts nur noch zwischen Ost-City und Vinetastraße, weiter gen Buchholz geht es dann per Bus. Das wird möglich, weil der ehemalige Busbahnhof am Vinetaplatz im Laufe der kommenden Monate mit einer Gleisschleife ausgestattet werden soll, was wiederum auch Auswirkungen auf den Verkehr der Linie 52 hat. Die Bahn aus Nordend wird dann nicht mehr zur Bösebrücke in der Bornholmer Straße fahren, sondern gleichfalls am U-Bahnhof Vinetastraße enden.

Parallel zur Umstellung des Bus- und Straßenbahnsystems wird es auch entsprechende Veränderungen bei der U-Bahn geben. Schon zum Fahrplanwechsel ab 17. September werden die Bahnen freitags, samstags und sonntags die Nacht durch verkehren, ab 2002 täglich. Als Mindeststandard wird auf der U2 zwischen Ruhleben und Pankow ein 30-Minuten-Rhythmus angestrebt, zwischen Zoo und Alex soll es einen 15-Minuten Rhythmus geben.

Citylinien

Mehr Fahrgäste erhofft sich die BVG mit ihren Entscheidungen zur Schließung und Neueröffnung von Buslinien im Süden von Prenzlauer Berg. Zum bevorstehenden Fahrplanwechsel wird der 157er Bus eingestellt und stattdessen der 143er neu ins Leben gerufen. Er führt vom Halleschen Tor in Kreuzberg über die Fischerinsel, den Alex, Metzer Straße, Schwedter Straße, Gesundbrunnen zum Leopoldplatz in Wedding.

Die zweite bemerkenswerte Veränderung verbindet Pankow mit Spandau. X 33 heißt die neue Schnellbuslinie, die in der Dietzgenstraße beginnt, durch das Märkische Viertel führt und am Spandauer Rathaus endet. Eingestellt wird dafür der 153er Bus.

Abgelehnt wurde von der BVG das Anliegen von Bezirksverordneten, den populären 100er Bus, der gegenwärtig an der Prenzlauer Allee/Ecke Mollstraße endet, über den Kollwitzplatz zur Eberswalder Straße weiter zu führen. Das Gebiet dort werde ausreichend durch die U-Bahn erschlossen, argumentieren die BVG-Akteure. Im Gegenteil, der 100er Bus soll ab dem Zeitpunkt, da die Straßenbahn durch die Karl-Liebknecht-Straße in Mitte fahren wird, bereits am Alexanderplatz enden.

Wenn es einmal so weit ist – eigentlich sollte die Tram schon seit vorigem Jahr dort fahren, nun heißt es aus der Senatsverkehrsverwaltung, ab 2003– profitieren auch die Pankower davon. Die Linie 53 aus Rosenthal wird dann über Wisbyer Straße und Prenzlauer Allee zum Roten Rathaus fahren. Mit der Neuverlegung der Gleise an der Weißenseer Spitze ist die BVG bereits in Vorleistung gegangen. Der Abzweig an der Ecke Wisbyer Straße/Berliner Straße soll im kommenden Jahr erfolgen. Perspektivisch wird es also nur noch eine Tramlinie (50) durch die Schönhauser Allee geben. „Es ist das Ziel der BVG, unnötigen Parallelverkehr zu vermeiden“, verteidigt BVG-Sprecherin Barbara Mansfield die Entscheidungen. Andere BVG-Strecken werden noch zur Disposition gestellt, wenn am 24. Juni 2002 ein „goldener Nagel“ die Eröffnung des letzten Abschnitts der Ringbahn zwischen Westhafen-Wedding und Gesundbrunnen besiegelt und der Vollring wieder „Stadtrundfahrten“ mit der S-Bahn ermöglicht.