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  Juni 2001

Berlin-Prenzlauer Berg
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Jan Gympel, Wolfgang Streich, Volker Wagner; Die KulturBrauerei im Prenzlauer Berg; be.bra. Verlag Berlin; 128 Seiten; 49,90 DM; ISBN 3-89809-000-0

Zum Zehnten

KULTURBRAUEREI feiert standesgemäß Jubiläum

Um Missverständnissen von vornherein zu begegnen: es gibt eine KULTURBRAUEREI und eine KulturBrauerei. Beide haben ihr Domizil in der ehemaligen Schultheißbrauerei in der Knaackstraße, sind aber von der Substanz her grundverschieden. Die eine feiert zehnjähriges Jubiläum, vereint Theater, Galerien und Konzerthaus unter ihrem Namen, die andere darf sich seit zwei Jahren so nennen und vermarktet unter dem prägnanten Namen eine bunte Melange aus Kino, Supermarkt, Blumenladen und Bayrischem Biergarten.

Die KULTURBRAUEREI war also zuerst da, und es war damals eine pfiffige Geschäftsidee, Brauerei und Kultur, also Bier und modernes Brauchtum, so ungeschminkt in einen Zusammenhang zu stellen. Das marode Brauereiareal bot zudem genau das Ambiente, das ambitionierte Kulturschaffende brauchen - Konzerte und Fernsehshows im patinabehafteten Kesselhaus, Ausstellungen im ungenutzten Pferdestall, Disco und Theateraufführungen in der Alten Kantine. Die Zuschauer strömten, die KULTURBRAUEREI wurde ein fester Bestandteil der Hauptstadtkultur, mit günstigen Mieten und reichlicher Subvention. Das Gelände selbst gehört der Treuhand-liegenschaftsgesellschaft (TLG), und die hat 1998/99 nach vielen Wegen und Irrwegen 100 Millionen DM investiert, um aus der denkmalgeschützten Industrieruine ein stilvoll saniertes Ensemble zu entwickeln. Anschließend hat sie von den etablierten Kulturbrauern auch das Recht erworben, das Ganze als KulturBrauerei zu betreiben.

Und weil natürlich das eine ohne das andere nicht sein kann, brachte die TLG als Herausgeber pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum der KULTURBRAUEREI das Buch "Die KulturBrauerei im Prenzlauer Berg" auf den Markt. Darin spielt zwar die KULTURBRAUEREI nicht die erste Geige, überhaupt ist darin wenig von Kultur und viel von Brauerei die Rede, lesens- und auch anschauenswert ist das Werk allemal. Die drei Autoren reflektieren ausführlich das Werden und Wachsen von Prenzlauer Berg im Allgemeinen, der Schultheiß-Brauerei im Besonderen und des aktuellen Eigentümers TLG im ganz Besonderen. Reich bebildert vermittelt der Band dem Interessenten die wechselvolle Geschichte der Brauerei als Stammhaus der Schultheißbrauer, als Quartier der Waffen-SS, als Standort der Rüstungsproduktion, als Möbellager und Zentrum Ostberliner Subkultur. Für den TLG-Vorstand Volk-mar von Obstfelder war das 25.000 m² große Areal eben schon immer eine "Gebrauchtimmobilie", die nun im Ambiente der Vergangenheit Standards des 21. Jahrhunderts repräsentiert.
H. Seefeld