Wörther Straße 26 Foto: H. Seefeld
Mut zum Nein Umwandlung mit Hindernissen
"Ick zieh hier auf keinen Fall aus. Watt ick schon investiert habe, kann mir keener bezahlen". Uli M. wohnt im Vorderhaus der Wörther Straße 26, direkt unterm Dach. In der Reihe der frisch sanierten Häuser dieser Straße ist die bröckelnde Fassade seines Hauses eine Attraktion. Busse fahren langsam vorbei, Fotoapparate klicken, Kameras surren. Manchmal halten die Busse auch an, die Leute strömen ins Haus und stöbern durch jeden begehbaren Winkel. "Im Februar war es besonders schlimm", meint M., "da war hier jedes Wochenende was los". Prenzlauer Berg ist hipp, Kollwitzplatz ist oberhipp, und da haben Makler einen neuen Touristensport ersonnen - Wohnungsshopping per Stadtrundfahrt.
Die Wörther 26 mit ihren neun Mietern hat in den vergangen Jahren viel durchgemacht. Noch bis 1998 war sie in der Notverwaltung der Wohnungsbaugesellschaft WIP, weil das Bundesvermögensamt es ablehnte, die Immobilie als Eigentum anzuerkennen. In jenen Jahren war die herausragendste Investition der Verwaltung der ersatzlose Abbruch der Balkone. Irgendwie gelang es der WIP doch noch, das Haus an den Bund zu übergeben, der es aber mit spitzen Fingern schnell an den erstbesten Kaufinteressenten, ein junges Berliner Pärchen, weiterverkaufte. Die hatten aber auch nichts übrig, um die Qualität des Gebäude zu verbessern. Zudem behielten sie das Haus nicht lange und verkauften es mit einem ordentlichen Aufschlag im Sommer 2000 an die Zweite Sanus Altbauten GmbH 6 Co. KG . Die sieht nur in der Umwandlung in Eigentumswohnungen eine Chance, Gewinne aus der Immobilie zu realisieren. Und so gehen die Wohnungen, egal ob bewohnt oder unbewohnt, für über 4.300 DM/m² über den Ladentisch. Dem Käufer werden von der Sanus Mietgarantien von 12 DM/m² für sieben Jahre zugesichert.
Doch Bewohner, die ihre Wohnungen zum Teil selbst modernisierten, so nur einen geringen Mietzins zahlen und darum kaum Wegzugsneigungen verspüren, minimieren die Gewinnerwartungen deutlich. Lieber heute als morgen sollen die Altmieter das Haus verlassen, kontinuierlich werden sie damit konfrontiert, dass in ihrer schönen Wohnung sowieso kein Stein auf dem anderen bleibe. Von veränderten Grundrissen ist die Rede, von Dachgeschossausbau und Fahrstuhleinbau - Dinge, die Wohnungskäufer längst schon miterworben haben. Doch ohne Übereinkunft zwischen Sanus und den von der Mieterberatung Prenzlauer Berg betreuten Bewohnern drohen die Kaufverträge zur Makulatur zu werden. Der Druck auf alle Seiten ist groß.
H. Seefeld(VOR ORT hält die Situation in der Wörther Straße 26 für exemplarisch in den Sanierungsgebieten. Wir wollen darum regelmäßig über die Entwicklung in diesem Haus berichten).