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  Februar 2001

Berlin-Prenzlauer Berg
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Die Büros in der Alten Mälzerei der ehemaligen Königstadtbrauerei sind von Firmen der New Economy mit Beschlag belegt. Foto: H. Seefeld

Ambiente gesucht

Diskrepanzen auf dem Büromarkt in Großpankow

"Wir erwarten in Pankow bis 2010 eine Büroflächennachfrage in der Größenordnung von etwa 140.000 m², das ist angesichts der Stadtrandlage des Bezirks realistisch", verkündete der Stadtplaner Günter Baasner, Mitautor einer Studie zur Bürosituation in der Hauptstadt, Ende Januar vor ca. 50 Interessenten bei einer Diskussionsveranstaltung im Verwaltungsgebäude des ehemaligen Schlachthofs. Es verunsicherte nicht wenige der Anwesenden, die auf Einladung von Bürgermeister Alex Lubawinski über "Perspektiven des Büroflächenmarkts in Berlin, die Konsequenzen für Prenzlauer Berg und den neuen Großbezirk Pankow" diskutieren wollten, dass neue Büroräume, die auf dem Pfefferberg oder in der Backfabrik entstehen und die fußläufig nur fünf Minuten vom Alexanderplatz entfernt liegen, plötzlich als Stadtrandlage definiert werden.

Andere Vorzeichen

Nur wenige Tage nach der Fusion der drei ehemaligen Bezirke Pankow, Weißensee und Prenzlauer Berg offenbart sich bereits, dass nicht überall, wo jetzt Pankow draufsteht, auch Pankow drin ist. "Natürlich wird der Süden Prenzlauer Bergs auch künftig von Immobilienanbietern unter anderen Vorzeichen vermarktet als die meisten anderen Bereiche des neuen Großbezirks", erläutert der zuständige Abteilungsleiter bei Aengevelt Immobilien, Rolf Scheffler. "Gründerzeitliche Viertel bieten das entsprechende Fluidum, Ambiente wird gesucht", begründet Scheffler seine Abgrenzung. Der Immobilienexperte wird mit seiner Einschätzung prompt durch Erfahrungen aus dem Alltag bestärkt. Die Pressesprecherin der epigenomics AG, Florence Danek, deren Unternehmen zur "New Economy" zählt, begründet leidenschaftlich die Standortwahl der Biotechfirma in der Kastanienallee bzw. in der Schwedter Straße. "Prenzlauer Berg ist ein Markenname, der weltweit, ob in London oder in New York, bekannt ist. Wir sind ein stark expandierendes Unternehmen, vor zehn Monaten waren wir knapp 30 Mitarbeiter, jetzt sind wir über 100, in der Regel hochqualifizierte Spezialisten. Da wir nicht mit übermäßigen Gehältern die notwendigen Toppleute an uns binden können, ist der Standortfaktor sehr wichtig. Und da ist Prenzlauer Berg mit seiner Angebotsstruktur genau das Richtige". Und sie ergänzt: "Buch wäre für uns völlig indiskutabel".

Dieser sehr prononciert vorgetragene Standpunkt scheint kein Einzelfall zu sein. "Es ist äußerst schwierig, außerhalb des S-Bahnrings bürointensive Firmen anzusiedeln", beklagt auch der zuständige Mitarbeiter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Thorsten Tonndorf. Exemplarisch dafür ist für ihn unter anderem die Situation am Bahnknotenpunkt Nordkreuz, wo Wedding, Prenzlauer Berg und Pankow aufeinanderstoßen. Ursprünglich waren hier Bürobauten mit ca. einer Million m² Bruttogeschossfläche vorgesehen, realisiert worden sind jedoch lediglich 70.000 m². Ein ähnlich schwieriges Bild zeichnet sich im Dienstleistungs- und Gewerbezentrum (DGZ) in der Weißenseer Gustav-Adolf-Straße ab. Die Vorsitzende des Unternehmerkreises Prenzlauer Berg e.V., Heidi Heidenreich, verweist auf einen ganz besonderen Konflikt an diesem Standort, wo ursprünglich über 2.000 Mitarbeiter in Lohn und Brot stehen sollten, jedoch auf vielen Etagen gähnende Leere herrscht: "Bei einer mir bekannten Firma gibt es sehr konträre Standpunkte zum Arbeitsort. Während die Geschäftsführung die herausragende technische und bauliche Ausstattung der Büros zu günstigen Mietkonditionen lobt, beklagen die Mitarbeiter die zum Teil extrem aufwendige Anreise zu ihren Arbeitsplätzen und das monotone Umfeld". Die so genannten weichen Standortfaktoren, so Heidenreichs Resümee, spielen heute eine immer größere Rolle.

Wohnen und Arbeiten

Für Baustadtrat Andreas Bossmann, der bereits seit 1995 in gleicher Funktion im Altbezirk Pankow Verantwortung trug, stellen sich die Widersprüche nicht als unlösbar dar. Zum einen plädiert er nachhaltig für Buch als künftigen Wissenschaftsstandort, "der sicherlich nicht die Lebendigkeit von Prenzlauer Berg als Mitgift für neue Unternehmen einbringt, gleichwohl aber ein hochwertiger Standort mit ausgezeichnetem technischen Knowhow, gut qualifizierten Kollegen und einem zum Teil idyllischen Umfeld ist". Zum anderen will Bossmann jedoch den vorhandenen Bedürfnissen im Süden Prenzlauer Bergs besonders Rechnung tragen. "Wir wollen auf keinen Fall die bestehenden Trends verpassen und handhaben deshalb die notwendigen Genehmigungsverfahren auch auf dem 'kurzen Dienstweg'. Firmen aus dem Bereich der New Economy sind besonders geeignet, die erstrebenswerte Mischung aus Wohnen und Arbeiten in Prenzlauer Berg weiter zu stabilisieren".
Hartmut Seefeld