Adieu Tristesse Das verwilderte Areal des Schweizer-Gartens soll ein attraktiver Wohnpark werden
Wenn Willo Göpel, Sprecher der Realprojekt Bau und Boden AG, das Vorhaben "Schweizer-Garten" vorstellt, wie er es in letzter Zeit in diversen Amtsstuben, BVV-Ausschüssen und Anwohnertreffs wiederholt getan hat, klingt alles schlüssig. Sein auf die Entwicklung von Fabrikbrachen zu Wohn- und Gewerbeparks spezialisiertes Unternehmen, das bereits auf größere Projekte wie die Paul-Lincke-Höfe und die alte Schultheißbrauerei in Kreuzberg verweisen kann, wird nun auch an einem der attraktivsten Standorte in Prenzlauer Berg aktiv. Auf der 21.000 m² großen, seit Jahrzehnten weitgehend ungenutzten Brache des Schweizer-Gartens zwischen Greifswalder Straße und Straße Am Friedrichshain im Sanierungsgebiet Bötzowviertel will Realprojekt nicht nur die 1890 erbaute und im Krieg arg beschädigte Brauerei C. Schneider sanieren, sondern auch 200 frei finanzierte Wohnungen errichten. "Wir haben das Areal im November erworben und wollen dort 100 Millionen Mark investieren", sagt Göpel.
"Das etwas bessere Reihenhaus"
Geplant sind Stadthäuser unterschiedlichen Typs, vom Fünf- bis Sechsgeschosser bis zum "etwas besseren Reihenhaus" für Familien mit Kindern, mit Wohnflächen von 110 bis 160 m² und Gärten an der Rückseite. Auch Maisonette- und Dachgeschosswohnungen soll es geben. Gedacht sind die Wohnungen mit Nettokaltmieten zwischen 12 und 16 DM/m² z. B. auch für Architekten oder Medienleute, die in den eigenen vier Wänden arbeiten möchten. "Als Projektentwickler werden wir uns nach Fertigstellung von der Anlage trennen und sie entweder an einen Gene-ralinvestor oder Stück für Stück an Einzeleigentümer verkaufen, die dann vermieten", skizziert Göpel das Vermarktungskonzept. Die Anträge auf bauordnungs- und sanierungsrechtliche Genehmigung sollen im April eingereicht werden. "Wenn wir die Genehmigungen bis zum Sommer erhalten, können die Bauarbeiten im Herbst beginnen, und Ende 2003 könnte alles fertig sein". Doch bis zur Genehmigungsreife sind noch einige Fragen zu regeln. Im Rahmen eines 1996 vom Bezirk eingeleiteten Bebauungsplanverfahrens sollten auf dem 230 Meter tiefen, als Wohngebiet ausgewiesenen Gelände u. a. eine Sporthalle für die angrenzende Kurt-Schwitters-Schule, eine neue KiTa, ein Jugend- und Nachbarschaftstreff, öffentliches Grün mit Spielplatz und ca. 100 öffentlich geförderte Seniorenwohnungen entstehen. Dieser Planung lag der Glaube zugrunde, dass ein Teil des Areals kommunales Eigentum sei und auch der Bau all dieser Einrichtungen vom Land Berlin finanziert werden könne. Nachdem sich das als Trugschluss erwiesen hat, sind einige der Planziele obsolet, und bei anderen haben sich die Parameter so verändert, dass das Bebauungsplanverfahren nun der aktuellen Lage anzupassen ist. Dabei kommt es Bezirk und Senat zupass, dass Realprojekt bereit ist, einige der öffentlichen Nutzungen in sein Bebauungskonzept zu integrieren. So soll die KiTa mit 60 Plätzen und einer 800 m² großen Frei-fläche, die als Ersatz für die in einem Barackenbau im südlichen Teil des Geländes untergebrachte Einrichtung gedacht ist, ebenso wie die Jugendfreizeitstätte in der Brauerei unterkommen und dann vom Bezirk angemietet werden. Für den Turnhallenbau will Realprojekt dem Land Berlin eine knapp 2.000 m² große Fläche im nördlichen, an die Schule grenzenden Teil des Geländes verkaufen. Das Kastanienwäldchen im mittleren Abschnitt, wo einst der Brauereigarten durstige Kehlen anlockte, will der Investor als öffentlich nutzbares Grün mit Spielplatz gestalten und dabei der Forderung nach weitgehendem Erhalt des über 80jährigen Baumbestands nachkommen. "Die Anlage soll für die Öffentlichkeit sowohl von der Greifswalder Straße als auch von der Straße Am Friedrichshain zugänglich sein", versichert Göpel. Der topografischen Lage des Areals an der eiszeitlichen Barnimkante will der Investor dadurch Rechnung tragen, dass die Blockrandbebauung im südlichen Teil um ca. fünf Meter zurückgenommen wird, so dass der grüne Hang erhalten bleibt. Eine von der Straße Am Friedrichshain erreichbare Tiefgarage mit 200 Stellplätzen kann auch von KiTa-Eltern genutzt werden.
Realprojekt und Bezirksamt wollen diese Verabredungen in einem Rahmenvertrag festschreiben, der auch von der BVV befürwortet worden ist. Damit will man zumindest einigen der Forderungen entsprechen, die die Betroffenenvertretung Bötzowviertel für die Gestaltung des Schweizer-Gartens in einem Brief an Stadtentwicklungssenator Peter Strieder erhoben hat.
Albrecht Molle